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Hirten- und Hütehunde sind seit Jahrtausenden
von Menschen gezüchtete Kulturrassen. Ohne Hirten- und Hütehunde wäre die
menschliche Kulturgeschichte in ihrer Entwicklung der Haustierhaltung
unvorstellbar. Erst durch
den Arbeitseinsatz von Hirten- und Hütehunden waren die Menschen in der Lage
Viehherden zu halten. Die Haltung
von Viehherden ermöglichte es erstmals eine größere Anzahl von Menschen zu
ernähren. Eine kulturhistorische
Traditionsaufgabe der Hirtenhunde war es, den Hirten (Bauern) bei den
Weidegängen der Schafsherden zu begleiten.
Ihr Arbeitseinsatz (zum Teil bis heute) ist es, die Herden zu behüten und zu
bewachen. Türkische Hirtenhunde
sind heute im Einsatz als "Wächter" weltweit überaus erfolgreich, insbesondere
bei Schafen, Ziegen,
Pferden,
Straußen sowie als Kinderwächter und
Wächter für Haus, Hof und Ländereien. In der Türkei
lebt die überwiegende Anzahl
von Akbas, Sivas-Kangals und Karshunden als Haus- und
Hofwächter
in ländlichen Regionen. Mit beeindruckend tiefer Stimme machen sie ihre Menschen
auf Veränderungen in der gewohnten Umgebung
aufmerksam.
Eine so genannte genetische Disposition oder
"natürliche" Veranlagung ist bei Hirtenhunden nicht feststellbar. Die
menschliche Kulturleistung liegt darin, durch die Faktoren
- Selektion = gezielte Auswahl durch
Testverfahren
- Prägung auf Menschen, Tiere und Umwelt
- Erziehung = Einsatz von methodischen
Maßnahmen
die Arbeitsqualität eines Hirtenhundes als
Herdenwächter zu manifestieren.
Die Türkei (Kleinasien) lag historisch als
"Zentrum und Brücke" der Hauptwanderrouten der Völkerbewegung zwischen West und
Ost. Mündliche Überlieferungen und schriftliche Aufzeichnungen über die
Hirtenhunde gibt es bereits seit frühester Zeit.
Luxien G.M. Columella, ein römischer
Schriftsteller aus dem ersten Jahrhundert n. Chr., schrieb: "... Hirten wünschen
sich weißte Tiere um sie nicht mit den wilden Tieren zu verwechseln. Greift der
Wolf in der Dämmerung an, ist es wichtig, dass es einen deutlichen
Farbunterschied zwischen Hund und Wolf gab; anderenfalls könnte
der Hirte seinen eigenen Hund erschlagen während er meint den Wolf zu töten.
..." Sehr klar wird schon damals die symbiotische Kooperation von Mensch und
Hirtenhund beschreiben.
1833 beschreibt Charles Darwin Hirtenhunde:
"... Es ist interessant zu beobachten, wie beim Annähern an eine Herde der Hund
sofort zu bellen beginnt, die Schafe dicht hinter sich versammelt als wäre er
der älteste Widder. ..." Darwin beschreibt auch die harte, selektive Ausbildung
der Hirtenhunde.
1895 beschreibt Ludwig Beckmann (Deutschland):
"... In früher Zeit, vor Ausrottung der Wölfe, waren Hirtenhunde bei uns sehr
häufig zu finden. Sie wurden vom Schäfer (Hirten) am Strick geführt, nur zum
Hetzen gelöst. ..." Auch Ludwig Beckmann sieht schon 1895 eine Sozialbeziehung /
Kooperation von Mensch und Hirtenhund.
Die qualitativen Wesensmerkmale der Türkischen
Hirtenhunde vertreten durch die Kulturrassen Ak bas,
Sivas-Kangal und Karshund sind: Mut, Kraft, Wachsamkeit, Schnelligkeit,
Ausdauer, Genügsamkeit, Zähigkeit,
Gesundheit, Beweglichkeit,
Langlebigkeit sowie die treue
Verbundenheit gegenüber seinen Sozialpartnern,
den Menschen und Tieren. Die in der
Türkei überwiegend in ländlichen Regionen lebenden Hirten-
bzw. Bauernhunde zeichnen sich bis heute durch ihre Robustheit und ihre relative
Anspruchslosigkeit aus. Sie werden im Ursprungsland nicht selten von dem
ernährt, was der Mensch für sie erübrigen kann. Als Gegenleistung bewachen sie
treu und ergeben das gesamte Anwesen und Territorium.
Die Türkischen Hirtenhunde Akbas, Sivas-Kangal
und Karshund sind von Menschen gezüchtete und damit domestizierte Haustiere und
stellen Kulturrassen dar. Sie sind daher stets auf unsere Fürsorge und Obhut
angewiesen. Wir Freunde der Türkischen Hirtenhunde müssen uns dieser
Verantwortung in unserer zunehmend enger werdenden Zivilisation mit Liebe und
Verstand stellen.
Keinesfalls ist ein Hirtenhund für die moderne
Stadthaltung als Wohnungshund in Mietshäusern oder für die Zwingerhaltung
geeignet.
Es lohnt dieses biologische Kulturgut zu
erhalten.
 
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